Beschreibung
Das Mietshäuser Syndikat ist ein deutscher Verbund selbstorganisierter Hausprojekte, der Gebäude kauft und sie dauerhaft dem Immobilienmarkt entzieht. Es ist eine Alternative zur Miete bei Investoren und Immobilienkonzernen: Die Bewohner verwalten ihr Haus selbst, und die Mieten müssen nur Kredite und laufende Kosten decken.
Ehemalige Hausbesetzer gründeten es 1992 in Freiburg im Breisgau. Jedes Haus gehört einer Haus-GmbH mit zwei Gesellschaftern: dem Hausverein der Bewohner und dem Syndikat. Die Bewohner entscheiden alles, auch die Miethöhe; das Syndikat hat eine Stimme, mit der es einen Verkauf oder die Umwandlung in Eigentumswohnungen verhindert. 2026 umfasste der Verbund 215 Projekte und 15 Initiativen. Jedes Projekt zahlt einen Solidarbeitrag, oft rund 0,10 € pro m² und Monat, in einen Fonds, der neuen Gruppen beim Start hilft.
Banken verlangen meist etwa ein Drittel der Kosten als Eigenkapital. Die Projekte bringen es über Direktkredite von Freunden und Unterstützern auf: Nachrangdarlehen, oft ab 1.000 €, zu niedrigen Zinsen. Die Direktkredite an das Syndikat selbst brachten 2018 höchstens 1,1 %. Scheitert ein Projekt, können Kreditgeber ihr Geld verlieren, und Stiftung Warentest hält sie als reine Geldanlage für ungeeignet. Im März 2025 waren 260 Millionen Euro im Verbund gebunden. Ähnliche Verbünde gibt es in Österreich (habiTAT, seit 2014), Frankreich, den Niederlanden und Tschechien.
Stärken
- Ein Haus im Verbund kann weder verkauft noch in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, weil das Syndikat in jeder Haus-GmbH ein Vetorecht hat.
- Die Bewohner legen ihre Mieten selbst fest, die nur Kredite, Instandhaltung und Solidarbeitrag decken müssen.
- Über 200 bestehende Projekte beraten neue Gruppen, und der Solidarfonds hilft bei den Startkosten.
Schwächen
- Bis zum Einzug vergehen Jahre mit Treffen, Geldsuche und Bankgesprächen.
- Direktkredite sind nachrangig und nicht abgesichert: Kreditgeber können ihr Geld verlieren, wenn ein Projekt scheitert, wie 2010 geschehen.
- Zinsen und Tilgung machen oft mehr als drei Viertel der Miete aus, was in den ersten Jahren wenig Spielraum lässt.
Für wen
Gruppen in Deutschland, die ein Haus gemeinsam und auf Dauer kaufen und verwalten wollen, und Unterstützer, die ihr Geld lieber einem Hausprojekt als einer Bank leihen. Eine Wohnung zur Miete findet man darüber nicht.



